Dienstag, 31. Mai 2011

Der Esel will im Frühling aufs Eis

Der Esel will im Frühling aufs Eis

Der Esel eilt zum Karpfenteich
und möchte sich den Fuß verstauchen.
Der Frühling spielt ihm einen Streich:
Er lässt die Eisschicht untertauchen.

Der Esel schimpft und zetert laut.
Er meckert gleich der Ziegenherde.
Worauf der Hecht erschrocken schaut.
Der Eselhuf stampft auf die Erde.

"Ich habe es doch gut gemeint",
versichert ihm die Frühlingssonne.
"Und was dir fluchenswert erscheint,
das ist für andre eine Wonne!"

"Du schuldest mir den Eiskunstlauf!
Ich bin ein Esel ohnegleichen.
Und alles andre regt mich auf. -
Du kannst mir doch kein Wasser reichen!"

Der Frühling war zutiefst verletzt
von diesen frechen Eseleien.
Er hat sich fürchterlich entsetzt.
Und seine Wut fing an zu schneien.

Die Flocken fielen Tag und Nacht.
Ein kalter Wind kam aus dem Osten.
Dem Frühling blüht die Winterpracht,
- und nur der Esel
kommt auf seine Kosten.

Roman Herberth

Der Regenwurm

Der Regenwurm

Im Boden hat ein Regenwurm
sich häuslich eingerichtet.
Er hat auf seinen Hifi-turm
natürlich nicht verzichtet.

Sein Fressen holt er vom Kompost.
Er wühlt sich durch die Reste.
Und schwärmt: "Die frische Hausmannskost
ist immer noch das Beste."

Nach jeder Mahlzeit zieht er sich
zurück in seine Wohnung.
Und gönnt sich, falls erforderlich,
ein Schläfchen zur Belohnung.

Doch wenn die Wolken ungehemmt
aus allen Nähten platzen,
wird seine Wohnung überschwemmt,
dann schimpft er wie die Spatzen:

"Das Wasser stinkt mir kolossal!
Es kommt mir ungelegen.
Ich muss hinauf, verflixt noch mal
und wurme dann im Regen!"

Roman Herberth

Ein Nacht-ent-Falter

Ein Nacht-ent-Falter

Erst wenn dem Mond ein Licht aufgeht
durch fern bedienten Schalter,
beginnt, weil es im Zeitplan steht,
die Nachtarbeit der Falter.

Ihr Wirkungskreis ist eingegrenzt.
Man schwirrt nicht in die Ferne.
Man fliegt zum nächsten Ding, das glänzt,
zum Beispiel zur Laterne.

Doch auch bei Oper, Kunstgedicht:
Die Falter huschen nächtlich
im Scheinwerfer- und Rampenlicht.
Der Beifall rauscht beträchtlich.

Im Taumel sucht ein armer Tropf
sein Glück und eine Bleibe.
Jedoch er stösst mit seinem Kopf
nur an die Fensterscheibe.

Jetzt nimmt er seinen Fuß vom Gas.
Das Flugzeug wird gefaltet.
Kopfüber sitzt er auf dem Glas,
bis er die nächste Nacht gestaltet.

Roman Herberth

Die Wespe

Die Wespe

Sind diese Birnen ausgereift?
Die Wespe will es testen.
Sie beißt hinein und sie begreift:
Das Zeug schmeckt süß am besten.

Ihr schwarz und gelb gestreiftes Kleid,
die einzige Klamotte,
beweist: Die Wespe ist gescheit
und sparsam wie ein Schotte.

Sie findet Zuckerstückchen toll
und liebt die Limonaden.
Sie nimmt den Rüssel rand und voll,
doch manchmal geht sie baden.

Die Wespe nascht am Tellerrand.
Und schlürft auch schwarze Brühe.
Dann hat ihr Schlaf, das ist bekannt,
am Abend seine Mühe.

Um einen Apfel steppt ihr Schritt.
Es lächeln Vitamine.
Am Nachbarapfel steppt es mit,
dort tanzt die flotte Biene.

Roman Herberth

Künstlerpech

Künstlerpech

Zwischen Haus und Regenrinne
klettert kreuzfidel die Spinne.
Und sie fädelt sich ein Netz
streng nach dem Naturgesetz.

Keiner musste sie beraten.
Und sogar den Klebefaden
hat sie selber hergestellt.
Einwandfrei! Die Sache hält.

Um das Richtfest einzuleiten,
fehlt es noch an Kleinigkeiten.
Noch einmal wird abgeseilt.
Hier gestrafft und dort gestylt.

Schließlich liegt sie auf der Lauer.
Und bereits nach kurzer Dauer
fängt sie ein: Ach Menschenskind!
Und sie schreibt es in den Wind.

Um den Ärger zu verdauen,
fängt sie an, neu aufzubauen.
Klebstoff wird frisch angesetzt.
Und das Werk erneut vernetzt.

Roman Herberth

Am Weiher

Am Weiher

Idyllisch liegt der stille Weiher.
Und die Natur hält sich im Lot.
Hier angeln stelzenhohe Reiher
im dichten Schilf ihr Pausenbrot.

Es helikoptert die Libelle.
Sie fliegt dahin und stoppt und steht,
und rührt sich nicht mehr von der Stelle,
bis es beflügelt weitergeht.

Die Rose wäscht sich ihre Füße,
und strahlt dabei in gelber Pracht.
Die Enten zupfen am Gemüse.
Und abends sagt ein Fuchs: "Gut Nacht!"

Es pappelt eine Augen-Weide.
Und manchmal klopft sie auf den Busch.
(der steht ihr immer treu zur Seite).
Das trifft ihn wie ein kalter Tusch.

Roman Herberth

Der Laubfrosch

Der Laubfrosch

Der Laubfrosch raschelt durch die Blätter.
Im Frühling purzelt er im Klee.
Er fühlt sich wohl bei jedem Wetter
und abends quakt sein Maul am See.

Zur Paarungszeit, am stillen Weiher,
singt er vereint im Tümpelchor.
Es schläft der Storch. Es ruht der Reiher.
Das passt dem Bass und dem Tenor.

Dann tanzt das Schilf, die Gräser summen
im Takt und ohne Dirigent.
Vor Mitternacht wird es verstummen,
weil jeder Frosch auch gerne pennt.

Roman Herberth

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