Tierreim

Mittwoch, 1. Juni 2011

Kamel + Dromedar

Kamel + Dromedar

Ein Kamel im heißen Sand,
einsam und verlassen,
ist bei Vollmond durchgebrannt.
Keiner kann es fassen.

Niemand kennt den Aufenthalt.
Wüstensöhne suchen
nach gehökerter Gestalt,
und man hört ihr Fluchen.

Das Kamel zieht sehr verschreckt
durch den Staub der Straße.
Doch sein Kompass hat entdeckt:
Palmen und Oase.

Dort wird schlürfend aufgetankt.
Wasser wird gespeichert.
Da es auch an Futter krankt,
wird es angereichert.

Plötzlich steht ein Dromedar
neben seinen Hufen.
Einsamkeit ist nicht mehr wahr,
und aus beiden wird ein Paar.
(Der Traum kommt wie gerufen.)

Roman Herberth

Schwarzgefleckter Käfer

Schwarzgefleckter Käfer

Ein schwarzgefleckter Käfer streunt
durch seine Heimatwiese.
An einem Grashalm lehnt sein Freund
und nippt am Frischgemüse.

Den Beiden fehlt das Augenlicht,
da hilft auch keine Brille.
Du fragst warum, ich weiß es nicht.
Hier waltet fremder Wille.

Der Tastsinn plant die Käferspur.
Die Beinchen sind wie Schüler.
Sie geh'n zu sechst und folgen nur
dem Rat der Vorder-Fühler.

Der Käfer kommt fast aus dem Tritt.
Er kann Vertrautes riechen.
Und er beschließt beim nächsten Schritt,
der Nase nach zu kriechen.

Der Freund ist freudig angetan.
Die Fühler dürfen "schwätzen".
- Man sieht daran, ein Riechorgan
kann einen Blick ersetzen.

Roman Herberth

Die Fiege an der Wand

Die Fliege an der Wand

Mich stört die Fliege an der Wand.
Sie soll sofort verschwinden.
Sie bringt mich noch um den Verstand.
Das will ich unterbinden.

Ich fordere sie höflich auf,
das Zimmer zu verlassen.
Sonst nimmt mein Ärger seinen Lauf,
dann fliegen Untertassen.

Das Flugobjekt hockt ungerührt.
Ich stelle es zur Rede.
Und meine Faust schlägt ungeniert
die bunte Stofftapete.

Es rumpelt mir im Bauch die Wut.
Der "Treffer" ging ins Leere.
Ich sehe rot. Es kocht mein Blut.
Gekränkt ist meine Ehre.

Die Fliege hat vor nichts Respekt
und lässt sich nicht verjagen.
Ich werde sie -im Endeffekt-
bis auf weiteres ertragen
(müssen).

Roman Herberth

Die Schnecke

Die Schnecke

Die Schnecke schleppt ihr Wohnmobil.
Es schwankt auf ihrem Rücken.
Vom Rasen hält sie nicht sehr viel.
Sie liebt das Blumen-pflücken.

Woher sie kommt. Wohin sie eilt.
Bei jeder Atempause,
selbst wenn sie in der Fremde weilt,
ist sie bei sich zuhause.

Am Abend braucht sie kein Hotel
und keine fremden Betten.
Doch bei Gefahr kann sie sich schnell
in ihr Gehäuse retten.

Im Wohnmobil ist sie der Boss.
Dort kann sie lauthals lachen.
Sie schiebt den Riegel in das Schloss.
Und niemand kann sie dann -
zur Schnecke machen.

Roman Herberth

Kinderträume

Kinderträume

Der Mond hat sich verfangen.
Das Blattwerk hält ihn fest.
Die Eulenkinder bangen
und fürchten um ihr Nest.

Sie rufen nach der Mutter.
Doch die ist außer Haus
und fängt das Vogelfutter
in Form von einer Maus.

"Ihr braucht doch nicht zu schreien.
Ich habe mich vertan
und bitte um Verzeihen,
ich flog aus meiner Umlaufbahn."

Der Mond entflieht den Zweigen
und eilt in seine Welt.
Der Baum hüllt sich in Schweigen,
was auch dem Mond gefällt.

Die Mutter kommt vom Mäuse-rauben
und hört, sie habe viel versäumt.
Natürlich kann sie es nicht glauben.
Sie denkt bei sich:
"Die Kinder haben schlecht geträumt!"

Roman Herberth

Geknickt

Geknickt

Mein Vogel hält den Plapperschnabel,
denn eine Feder ist geknickt.
Er fühlt sich mies und miserabel,
wenn er auf sein Gefieder blickt.

Die Körnermischung lässt er liegen
und auch den frischen Kopfsalat.
Er möchte nicht im Zimmer fliegen,
er fühlt sich krank und nicht auf Draht.

Verdrossen grübelt er im Käfig
und brütet seine Laune aus.
Darüber wird sein Körper schläfrig.
Nun schnarcht und sägt das Vogelhaus.

Bereits in aller Herrgottsfrühe,
bevor der Hahn sein Ständchen singt,
bevor der Tag mit größter Mühe
die Sonne auf den Bergkamm bringt,

entwirrt mein Vogel sein Gefieder
und überlistet seine Nacht.
Sein Schnabel schmettert frohe Lieder.
Er hat die umgeknickte Feder gerupft
- und zur Vernunft gebracht.

Roman Herberth

Guten Abend

Guten Abend

Der Abend ist im Gange.
Am Himmel thront der Mond.
Die Hühner sind schon lange
auf ihrer Hühnerstange.
Sie sind es so gewohnt.

Am Himmel funkeln Sterne.
Der Große Wagen steht.
Er parkt in weiter Ferne
weitab von der Laterne,
an der ein Falter seine Runden dreht.

Nun wird es still und leise.
Es zieht der Abendwind
die altbewährten Kreise.
Und Eulen glotzen weise ...
wenn sie nicht gestorben sind.

Roman Herberth

Anders als man denken könnte

Anders - als man denken könnte

Die Hennen flattern aufgeregt
und gackern ohne Pause.
Die Schnäbel klappern unentwegt.
Es lärmt im Hühnerhause.

Bis in den Wald tönt das Geschrei.
Ein Fuchs denkt sich im Stillen.
"Ich geh' mal hin und schau' vorbei,
und werde meinen Magen füllen."

Er schleicht geduckt zum Waldesrand.
Dann schlägt er einen Bogen
um einen hohen Jägerstand.
Denn er ist schlau und gut erzogen.

Zum Hühnerhof gelangt er gleich.
Der Zaun hat seine Lücken.
Und er betritt das Hühnerreich
mit schelmischem Entzücken.

Noch immer schimpft der Hühnerstall.
Die Hennen sind gefangen.
Der Bauer schürte den Krawall.
Sein Plan ist aufgegangen.

Der Fuchs erkennt den Hinterhalt
und stürzt zum Zaun um durchzuschlupfen.
Er wär' am liebsten schon im Wald,
mit ihm will man ein Hühnchen rupfen.

Roman Herberth

Horrorgeschichte

Horrorgeschichte

Es lebte gut versteckt im Heu,
es war kaum zu entdecken,
ein Tierchen - schüchtern, voller Scheu.
Doch fand man es, erweckte neu
das Tierchen einen Schrecken.

Wie viele Schrecken hat das Tier.
Das war die große Frage.
Man rätselte: Wahrscheinlich vier.
Man suchte eins - im Heurevier.
Das Suchen war 'ne Plage.

Das kleine Tierchen nahm Reißaus
mit vielen Artgenossen.
Sie querten Wüsten mit Gebraus.
Sie hielten Rast bei jedem Haus
und fraßen grüne Sprossen.

Doch einige, die kehrten um.
Im Heu sind sie der Schrecken.
Ich frage mich schon lang warum,
benennt man dieses Tier so dumm?
Was mag dahinter stecken?

Roman Herberth

Dienstag, 31. Mai 2011

Der Esel will im Frühling aufs Eis

Der Esel will im Frühling aufs Eis

Der Esel eilt zum Karpfenteich
und möchte sich den Fuß verstauchen.
Der Frühling spielt ihm einen Streich:
Er lässt die Eisschicht untertauchen.

Der Esel schimpft und zetert laut.
Er meckert gleich der Ziegenherde.
Worauf der Hecht erschrocken schaut.
Der Eselhuf stampft auf die Erde.

"Ich habe es doch gut gemeint",
versichert ihm die Frühlingssonne.
"Und was dir fluchenswert erscheint,
das ist für andre eine Wonne!"

"Du schuldest mir den Eiskunstlauf!
Ich bin ein Esel ohnegleichen.
Und alles andre regt mich auf. -
Du kannst mir doch kein Wasser reichen!"

Der Frühling war zutiefst verletzt
von diesen frechen Eseleien.
Er hat sich fürchterlich entsetzt.
Und seine Wut fing an zu schneien.

Die Flocken fielen Tag und Nacht.
Ein kalter Wind kam aus dem Osten.
Dem Frühling blüht die Winterpracht,
- und nur der Esel
kommt auf seine Kosten.

Roman Herberth

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