Tierreim
Der Regenwurm
Im Boden hat ein Regenwurm
sich häuslich eingerichtet.
Er hat auf seinen Hifi-turm
natürlich nicht verzichtet.
Sein Fressen holt er vom Kompost.
Er wühlt sich durch die Reste.
Und schwärmt: "Die frische Hausmannskost
ist immer noch das Beste."
Nach jeder Mahlzeit zieht er sich
zurück in seine Wohnung.
Und gönnt sich, falls erforderlich,
ein Schläfchen zur Belohnung.
Doch wenn die Wolken ungehemmt
aus allen Nähten platzen,
wird seine Wohnung überschwemmt,
dann schimpft er wie die Spatzen:
"Das Wasser stinkt mir kolossal!
Es kommt mir ungelegen.
Ich muss hinauf, verflixt noch mal
und wurme dann im Regen!"
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 08:10
Ein Nacht-ent-Falter
Erst wenn dem Mond ein Licht aufgeht
durch fern bedienten Schalter,
beginnt, weil es im Zeitplan steht,
die Nachtarbeit der Falter.
Ihr Wirkungskreis ist eingegrenzt.
Man schwirrt nicht in die Ferne.
Man fliegt zum nächsten Ding, das glänzt,
zum Beispiel zur Laterne.
Doch auch bei Oper, Kunstgedicht:
Die Falter huschen nächtlich
im Scheinwerfer- und Rampenlicht.
Der Beifall rauscht beträchtlich.
Im Taumel sucht ein armer Tropf
sein Glück und eine Bleibe.
Jedoch er stösst mit seinem Kopf
nur an die Fensterscheibe.
Jetzt nimmt er seinen Fuß vom Gas.
Das Flugzeug wird gefaltet.
Kopfüber sitzt er auf dem Glas,
bis er die nächste Nacht gestaltet.
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 08:08
Die Wespe
Sind diese Birnen ausgereift?
Die Wespe will es testen.
Sie beißt hinein und sie begreift:
Das Zeug schmeckt süß am besten.
Ihr schwarz und gelb gestreiftes Kleid,
die einzige Klamotte,
beweist: Die Wespe ist gescheit
und sparsam wie ein Schotte.
Sie findet Zuckerstückchen toll
und liebt die Limonaden.
Sie nimmt den Rüssel rand und voll,
doch manchmal geht sie baden.
Die Wespe nascht am Tellerrand.
Und schlürft auch schwarze Brühe.
Dann hat ihr Schlaf, das ist bekannt,
am Abend seine Mühe.
Um einen Apfel steppt ihr Schritt.
Es lächeln Vitamine.
Am Nachbarapfel steppt es mit,
dort tanzt die flotte Biene.
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 07:24
Künstlerpech
Zwischen Haus und Regenrinne
klettert kreuzfidel die Spinne.
Und sie fädelt sich ein Netz
streng nach dem Naturgesetz.
Keiner musste sie beraten.
Und sogar den Klebefaden
hat sie selber hergestellt.
Einwandfrei! Die Sache hält.
Um das Richtfest einzuleiten,
fehlt es noch an Kleinigkeiten.
Noch einmal wird abgeseilt.
Hier gestrafft und dort gestylt.
Schließlich liegt sie auf der Lauer.
Und bereits nach kurzer Dauer
fängt sie ein: Ach Menschenskind!
Und sie schreibt es in den Wind.
Um den Ärger zu verdauen,
fängt sie an, neu aufzubauen.
Klebstoff wird frisch angesetzt.
Und das Werk erneut vernetzt.
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 07:23
Am Weiher
Idyllisch liegt der stille Weiher.
Und die Natur hält sich im Lot.
Hier angeln stelzenhohe Reiher
im dichten Schilf ihr Pausenbrot.
Es helikoptert die Libelle.
Sie fliegt dahin und stoppt und steht,
und rührt sich nicht mehr von der Stelle,
bis es beflügelt weitergeht.
Die Rose wäscht sich ihre Füße,
und strahlt dabei in gelber Pracht.
Die Enten zupfen am Gemüse.
Und abends sagt ein Fuchs: "Gut Nacht!"
Es pappelt eine Augen-Weide.
Und manchmal klopft sie auf den Busch.
(der steht ihr immer treu zur Seite).
Das trifft ihn wie ein kalter Tusch.
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 07:23
Der Laubfrosch
Der Laubfrosch raschelt durch die Blätter.
Im Frühling purzelt er im Klee.
Er fühlt sich wohl bei jedem Wetter
und abends quakt sein Maul am See.
Zur Paarungszeit, am stillen Weiher,
singt er vereint im Tümpelchor.
Es schläft der Storch. Es ruht der Reiher.
Das passt dem Bass und dem Tenor.
Dann tanzt das Schilf, die Gräser summen
im Takt und ohne Dirigent.
Vor Mitternacht wird es verstummen,
weil jeder Frosch auch gerne pennt.
Roman Herberth
Roman123 - 31. Mai, 07:22
Der Spatz
Es tschilpt aus grünen Hecken,
auf jedem freien Platz.
An allen Straßenecken
umflattert dich ein Spatz.
Er mischt sich unter Tauben.
Und wird nicht angepickt
beim Leckerbissen-Rauben.
Den ihm der Himmel schickt.
Flink schnappt er sich die Beute,
und greift zum Speiseplan.
Und denkt: "Das reicht für heute!
Die Arbeit ist getan."
Gesättigt bis zum Platzen.
Nun folgt der Nachgesang,
das Tschilpen und das Schwatzen
mit auserwählten Spatzen
bis hin zum Mondaufgang.
Roman Herberth
Roman123 - 30. Mai, 09:30
Die Möwe
Trotz Rücken-, Gegen-, Seitenwind!
Die Möwe geht zum Segeln.
Denn sie erlernte schon als Kind
den Sport nach allen Regeln.
Ihr Bootsrumpf ist nie festgeklinkt.
Sie nutzt die kleinste Brise
und gleitet federnd und beschwingt
vorbei an Strand und Wiese.
Zuweilen jagt sie wie ein Pfeil
durch Meeresgischt und Brandung.
Sie bleibt wie-durch-ein-Wunder heil,
und setzt dann an zur Landung.
Die Möwe kreuzt den Ozean.
Dort dampfen Fischerkutter.
Es ändert sich der Speiseplan.
Ein Seemann schenkt ihr Futter.
Mit 30 Knoten oder mehr
zurück zur blauen Boje.
Vom Segeln sind die Flügel schwer.
(Noch 5 Minuten - bis zur Koje.)
Roman Herberth
Roman123 - 30. Mai, 09:30
Die Vogeleisenbahn
Der Sommer eilt zur Garderobe
und greift nach Stock und Hut.
Der Herbst beginnt mit seiner Probe.
Das Schauspiel klappt schon gut.
Am Acker igeln sich die Stoppeln.
Das Korn ist eingesackt.
Der Hase muss ins Maisfeld hoppeln,
wenn ihn der Hunger packt.
Die Sonne kommt nicht aus den Federn.
Der Wecker schrillt bei Nacht.
Und leiser wird das Vogelzetern,
denn Schwarm auf Schwarm
wird mit der Vogeleisenbahn
nach Afrika gebracht.
Roman Herberth
Roman123 - 30. Mai, 09:29
Die Mücke
Die Mücke sticht nicht nur zum Spaß.
Auch sie muss sich ernähren.
Sonst beißt sie garantiert ins Gras
und wird nicht lange währen.
Sie saugt sich voll bei Mann und Frau,
ob jung, ob antiquarisch.
Sie schlürft vom Blut und sei es blau,
und pfeift auf vegetarisch.
"Was soll der dumme Futterneid?
Um ihn wird nie gestritten.
Ein Imbiss reicht der Zweisamkeit
und auch noch einem Dritten."
Die Nacht ist lau und sommerlich.
Ein Schnarcher ohne Decke.
Es folgt ein kurzer Mückenstich -
(Das Licht geht an. Es schlägt die Wut
das frisch gezapfte Menschenblut)
- und bringt den Störenfried zur Strecke.
Roman Herberth
Roman123 - 30. Mai, 09:28