Tierreim

Montag, 30. Mai 2011

Die Mausefalle

Die Mausefalle

Auf meinem Konto bei der Bank
sind alle Mäuse "tierisch krank".
Sie kommen schwach dahergekrochen,
ganz mager, blass, nur Haut und Knochen.

Der Grund des Übels ist bekannt.
Der "Wohlstand" drückt sie an die Wand.
Das meiste frisst die "Katzen"-Steuer,
ein nimmersattes Ungeheuer.

Im zweiten Akt melkt sie mit Schwung
die Gilde der Versicherung.
Das Mäusevolk ist hier zu feige.
Es wehrt sich nicht und geht zur Neige.

Ein Mäuschen hier, ein Mäuschen dort,
die großen Mäuse ziehen fort.
Je nach Kalender sind Gebühren
an irgendjemand abzuführen.

Und dadurch schrumpft der Mäusestaat.
Die Sparsamkeit weiß nur den Rat:
Du musst den Gürtel enger schnallen.
Und - Augen auf bei Mäusefallen.

Roman Herberth

Ein Bauherrn-Modell

Ein Bauherrn-Modell

Der Fuchs erweitert seinen Bau.
Er wühlt und furcht und baggert.
Es hat ihn nämlich seine Frau
schon tagelang beackert.

Das Erdreich: hart. Der Bauherr schwitzt.
Die Pfoten: angeschwollen.
Mit Balken wird der Gang gestützt,
denn dadurch hält der Stollen.

Zum Fünf-Uhr-Tee: die Tat vollbracht.
Beim Richtfest: Hoch die Tassen!
Der Fuchs küsst seine Frau und lacht:
"Das kann sich sehen lassen.

Die Holzverstrebung so massiv
wie Stahlbeton und Eisen.
Mein Ehrenwort, hier rutscht nichts schief.
Das kann ich dir beweisen."

Dann hämmert er aus Spaß und Jux
am nagelneuen Stollen.
Die Hölzer fallen auf den Fuchs,
...
seitdem ist er verschollen.

Roman Herberth

Allein mir fehlt ...

Allein mir fehlt ...

Die Taube turnt am Schornsteinrand.
Sie trippelt mit den Zehen.
Und fliegt zum nächsten Imbissstand,
um sich dort umzusehen.

Dort wird gegurrt, beäugt, benickt,
und Neues durchgehäckselt.
Sie schnäbelt aus und wird gepickt,
bis sie den Standort wechselt.

Die Taube ist bestimmt nicht taub.
Sie macht sich flugs und gründlich
beim kleinsten Anlass aus dem Staub,
denn sie ist lärmempfindlich.

Wenn sie den Futterplatz umkreist
und nach den Körnern spurtet,
dann gurrt sie flatternd, und das heißt:
"Ich bin nicht angegurtet!"

Den Frieden bringt die Taube mit,
so lehrt ein alter Glaube.
Und so erzählt ein Scherenschnitt;
allein mir fehlt ... die Taube.

Roman Herberth

Die Eule

Die Eule

Ob Glitzersterne funkeln,
ob sich der Mond bedeckt,
die Eule sieht im Dunkeln.
Und nichts bleibt ihr versteckt.

Wenn sich die Tagesreise
bis morgen früh vertagt,
dann fliegt die Eule leise
auf Pirsch und Mäusejagd.

Ihr Hochsitz: eine Buche.
Die Brille wird poliert.
Damit die Nahrungssuche
auch zu Erfolgen führt.

Die Nacht wird ausgeblendet.
Die Eule u-u-uht, das heißt:
"Die Brotzeit ist beendet.
Ich habe g-u-u-uht gespeist!"

Nun flattert sie bedächtig
zurück zu ihrem Nest.
Dort wird am Tag genächtigt.
(Denn was sich eult -
hat bis zum Abend: Hausarrest.)

Roman Herberth

Auf der hohen Kirchturmspitze

Auf der hohen Kirchturmspitze
zieht ein grauer Wetterhahn
in der Kälte, in der Hitze
einsam seine enge Bahn.

Immer steht er auf dem Posten.
Wenn ein Schauer ihn ergreift,
schaut sein Schnabel meist nach Osten,
weil vom Meer ein Westwind pfeift.

Einem Sturm die Stirn zu bieten,
fiele ihm im Traum nicht ein.
Daher hat er seinen Frieden.
Das ist gut. So soll es sein.

Keine Wahl hat er getroffen,
seit er auf dem Kirchturm steht.
Doch für jede Richtung offen,
falls der Wind ihn dorthin dreht.

Roman Herberth

Schwarzgefleckter Freund

Schwarzgefleckter Käfer

Ein schwarzgefleckter Käfer streunt
durch seine Heimatwiese.
An einem Grashalm lehnt sein Freund
und nippt am Frischgemüse.

Den Beiden fehlt das Augenlicht,
da hilft auch keine Brille.
Du fragst warum, ich weiß es nicht.
Hier waltet fremder Wille.

Der Tastsinn plant die Käferspur.
Die Beinchen sind wie Schüler.
Sie geh'n zu sechst und folgen nur
dem Rat der Vorder-Fühler.

Der Käfer kommt fast aus dem Tritt.
Er kann Vertrautes riechen.
Und er beschließt beim nächsten Schritt,
der Nase nach zu kriechen.

Der Freund ist freudig angetan.
Die Fühler dürfen "schwätzen".
- Man sieht daran, ein Riechorgan
kann einen Blick ersetzen.

Roman Herberth

Das Krokodil

Das Krokodil

Es war einmal ein Krokodil.
Sein Auge hat geregnet.
Das ist mir zwischen Köln und Kiel
im Bummelzug begegnet.

Wir saßen im Abteil zu zweit,
und äugten in die Landschaft.
Erst übten wir die Schweigsamkeit,
dann schlossen wir Bekanntschaft.

Ich fragte nett: "Wie heißen Sie?"
Da knirschte es die Zähne,
und schluchzte laut von vis-a-vis:
"Im Deutschen sagt man: Träne.

Was auch geschieht, ich weine nur.
Die Nase meist gerötet.
Verkümmert ist die Frohnatur.
Vielleicht schon abgetötet.

Ich überlege her und hin.
Der Fluss kommt nicht ins Stocken.
Und ganz egal wo ich auch bin:
Mein Auge bleibt nicht trocken!"

Ich traf einmal ein Krokodil
mit kurzen, grünen Beinen.
Das hatte nur das eine Ziel:
Es wollte nie mehr weinen.

Roman Herberth

Die Kellerassel

Die Kellerassel

Die aufgekratzte Kellerassel
sitzt leise wimmernd im Schlamassel.
Sie riecht nicht mehr den Moderduft.
In ihrem Kopf herrscht dicke Luft.

Sogar in ihrer Lieblingsecke
bringt sie der Rauhputz fast zur Strecke.
Er bröckelt ab, dann fällt er tief.
Lawinen aus dem Felsmassiv.

Das geht durch Mark und auf die Knochen.
Das Rückgrat hat man ihr gebrochen.
Sie hat zwar keins. Es schmerzt sie doch.
Verstimmt kriecht sie ins letzte Loch.

Die Kellerassel wird genesen.
Ihr Hautkontakt mit einem Besen
war nicht geprägt von Sympathie.
Zu garstig war das Borstenvieh.

Roman Herberth

Die lahme Ente

Die lahme Ente

Sie watschelt immer hinterher.
Das liegt nicht am Gelände.
Sie ist, das nimmt sie furchtbar schwer,
nur eine lahme Ente.

Von Kükenbeinen an schien klar:
Wie sehr sie sich auch hetzte;
sie kam nicht mit, und blieb, und war
mit Abstand stets die letzte.

"Jetzt reicht's, ich jogge nun im Kreis.
Trainiert wird alle Tage.
Bald gibt es keinen Trost als Preis
und keine Niederlage."

Die lahme Ente rennt und rennt
vorbei mit Seitenstechen.
Sie krault im nassen Element.
Und achtet ihr Versprechen.
...

Das Wörtchen 'lahm' ist fehl am Platz.
Es sucht daher behände
an allen En(d)(t)en nach Ersatz.
Der Vorgang findet bald ein(e) En(d)(t)e.

Roman Herberth

Elefantös

Elefantös

Der weltbekannte Elefant
erträgt im Sommer und im Winter
sein dickgehäutetes Gewand.
Dasselbe gilt für seine Kinder.

Es juckt ihn nicht der 'letzte Schrei'.
Und aus Paris die neu'ste Mode
ist ihm egal und einerlei.
Denn Null-Punkt-Null: die Umziehquote.

Statt Hahn-Geschrei und Wecker-Krach
wird früh am Morgen laut trompetet.
Das macht die taubste Dickhaut wach.
Zum Aufsteh'n wird sie überredet.

Dann durch den Wald auf schnellstem Pfad
zum Tümpel und zur Wasserschüssel.
Dort nimmt man ein Erfrischungsbad,
als Duschkopf dient der lange Rüssel.

Roman Herberth

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